Die Salzburger Bergrettung hat ihre Bilanz für das vergangene Jahr vorgelegt. Die Gesamtzahl der Einsätze ist leicht zurückgegangen, was vor allem auf Wetterbedingungen zurückzuführen ist. Dennoch bleiben Selbstüberschätzung und mangelnde Tourenplanung die Hauptursachen für Notfälle am Berg. Das noch junge heurige Jahr zeigt bereits einen herausfordernden Trend.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl der Bergrettungseinsätze in Salzburg sank im vergangenen Jahr auf 723, verglichen mit 782 im Vorjahr.
- Stürze waren mit 236 Fällen die häufigste Unfallursache, gefolgt von medizinischen Notfällen und Abstürzen.
- Insgesamt wurden 631 Personen geborgen, darunter 31 Todesfälle.
- Besonders auffällig waren Einsätze wegen Erschöpfung auf Klettersteigen und Suchaktionen aufgrund schlechter Vorbereitung.
Ein Blick auf die Zahlen: Wetter beeinflusst die Statistik
Im abgelaufenen Jahr verzeichneten die ehrenamtlichen Helfer der Salzburger Bergrettung insgesamt 723 Einsätze. Dies stellt einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr dar, in dem 782 Notrufe eingingen. Richard Freicham, der Landesleiter der Salzburger Bergrettung, führt diese Entwicklung auf spezifische Wetterlagen zurück.
„Vermutlich gab es deshalb weniger Einsätze, weil in den verregneten Monaten Mai und Juli weniger Personen in den Bergen unterwegs waren“, erklärte Freicham.
Zudem habe die bescheidene Schneelage im Dezember im alpinen Gelände dazu geführt, dass weniger Skitouren abseits der gesicherten Pisten unternommen wurden. Diese Faktoren trugen maßgeblich zur Reduzierung der Einsatzzahlen bei.
Einsatzbilanz im Detail
- Gesamteinsätze: 723
- Geborgene Personen: 631
- Verletzte: 290
- Unverletzte: 310
- Todesfälle: 31
Die häufigsten Unfallursachen am Berg
Trotz der rückläufigen Gesamtzahlen bleiben die Ursachen für Alpinunfälle konstant. Der Sturz ist nach wie vor die Unfallursache Nummer eins und war für 236 Einsätze verantwortlich. Dahinter folgen Abstürze und medizinische Notfälle mit jeweils 76 Fällen. An dritter Stelle steht das Verirren mit 64 Einsätzen.
Die Analyse der geborgenen Personen zeigt ein internationales Bild. 277 der Verunfallten stammten aus dem Inland, während 258 aus dem Ausland kamen. Bei den tödlichen Unfällen waren österreichische Staatsbürger am häufigsten betroffen, gefolgt von deutschen Alpinisten.
Herausforderung Klettersteig
Ein wiederkehrendes Problem sind Einsätze an Klettersteigen. Oft sind es nicht schwere Verletzungen, sondern pure Erschöpfung, die Wanderer zum Notruf zwingt. Die Ortsstelle Rauris musste beispielsweise mehrfach in der Kitzlochklamm in Taxenbach ausrücken. Auch der Königsjodler und der Postalmklettersteig waren Schauplätze aufwendiger Bergungen, bei denen unverletzte, aber entkräftete Personen gerettet werden mussten.
Der Faktor Mensch: Planungsmängel und Selbstüberschätzung
Die Bergretter betonen, dass viele Einsätze vermeidbar wären. Insbesondere im Zeitraum vom Spätfrühling bis in den Herbst hinein kam es zu zahlreichen Suchaktionen. Der Grund dafür war oft eine mangelnde oder gänzlich fehlende Tourenplanung sowie eine deutliche Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten.
Viele Personen gerieten dadurch in unwegsames, steiles Gelände oder wurden von Schneefeldern überrascht und konnten weder vor noch zurück. Diese Situationen führen oft zu Einsätzen bei schlechtem Wetter oder in der Nacht, die für die Rettungsmannschaften besonders gefährlich sind.
Nachteinsätze als besondere Belastung
Wenn die Witterungsbedingungen den Einsatz von Rettungs- und Polizeihubschraubern unmöglich machen, müssen die Bergungen vom Boden aus durchgeführt werden. Solche Einsätze sind nicht nur zeit- und personalintensiv, sondern bergen auch ein höheres Risiko für die Rettungskräfte selbst.
Die Struktur der Salzburger Bergrettung
Hinter den Einsatzzahlen steht eine starke ehrenamtliche Organisation. Die Salzburger Bergrettung zählt aktuell 1.472 aktive Mitglieder, die rund um die Uhr einsatzbereit sind. Davon sind 1.360 Männer und 112 Frauen. Diese Freiwilligen sind in 43 Ortsstellen in Stadt und Land Salzburg organisiert.
Im vergangenen Jahr leisteten 4.619 Bergretterinnen und Bergretter insgesamt 11.082 Einsatzstunden. Das sind zwar rund 2.000 Stunden weniger als im Vorjahr, doch die Intensität und die psychische Belastung vieler Einsätze bleiben hoch. Das noch junge heurige Jahr hat mit bisher 72 Einsätzen, darunter auch tödliche Lawinenabgänge im Pongau, bereits gezeigt, dass die Herausforderungen für die freiwilligen Helfer nicht abnehmen.





