In Salzburg wird eine ungewöhnliche Methode bekannt gemacht, um potenziellen Opfern von Zwangsheirat eine Möglichkeit zum stillen Hilferuf zu geben. Ein einfacher Löffel, in der Kleidung versteckt, soll bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen Alarm auslösen und so auf eine Notlage aufmerksam machen. Gleichzeitig machen Experten auf eine Versorgungslücke aufmerksam: In der Stadt fehlt eine spezialisierte Anlaufstelle für Betroffene.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Löffeltrick: Ein in der Kleidung versteckter Löffel löst bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen einen Alarm aus und ermöglicht es Opfern, in einem geschützten Raum auf ihre Zwangslage hinzuweisen.
- Psychischer Druck: Zwangsheirat wird oft nicht durch körperliche Gewalt, sondern durch massiven psychischen Druck seitens der Familie durchgesetzt.
- Fehlende Anlaufstelle: In Salzburg gibt es keine spezialisierte Beratungsstelle, die sich ausschließlich dem Thema Zwangsheirat widmet.
- Sensibilisierung: Organisationen wie die Jugendanwaltschaft und das Gewaltschutzzentrum arbeiten daran, das Flughafenpersonal und die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren.
Ein Löffel als stummer Hilferuf
Für viele Menschen ist der Salzburger Flughafen das Tor in den Urlaub. Für manche junge Frauen und Männer könnte er jedoch der letzte Ort in Österreich sein, bevor sie gegen ihren Willen im Ausland verheiratet werden. Um in einer solchen verzweifelten Situation unauffällig Hilfe zu holen, gibt es den sogenannten „Löffeltrick“.
Die Idee ist einfach, aber wirkungsvoll: Eine Person, die zur Heirat gezwungen werden soll, versteckt einen Löffel oder einen anderen metallischen Gegenstand in ihrer Unterwäsche. Beim Passieren der Sicherheitsschleuse am Flughafen wird unweigerlich ein Alarm ausgelöst.
Dies zwingt das Sicherheitspersonal, die Person für eine genauere Untersuchung in einen separaten Raum zu bringen – weg von den begleitenden Familienmitgliedern. In diesem geschützten Moment kann das Opfer die Beamten über seine Notlage informieren und um Hilfe bitten.
Warum der Flughafen entscheidend ist
Der Flughafen ist oft die letzte Möglichkeit für Betroffene, einer Zwangsheirat zu entkommen. Sobald sie das Land verlassen haben, wird eine Intervention deutlich schwieriger. Aus diesem Grund konzentrieren sich Sensibilisierungskampagnen stark auf das Personal an Flughäfen, um die Anzeichen einer Notsituation zu erkennen.
Der unsichtbare Zwang
Expertinnen wie Hale Dönmez vom Salzburger Gewaltschutzzentrum betonen, dass Zwangsheirat selten mit offener körperlicher Gewalt einhergeht. Viel häufiger ist es ein subtiler, aber enormer psychischer Druck, der auf die Betroffenen ausgeübt wird.
„Es geht um Sätze wie ‚Du musst das für die Ehre der Familie tun‘ oder emotionale Erpressung, bei der mit dem Wohl anderer Familienmitglieder gedroht wird“, erklärt Dönmez. Dieser Druck baut sich oft über Monate oder Jahre auf und lässt den Opfern das Gefühl, keine andere Wahl zu haben.
„Es geht nicht um körperliche Gewalt, sondern um viel psychischen Druck, der von der Familie ausgeübt wird. Da heißt es dann: Du musst …“
Die Opfer sind oft junge Menschen, die in einem emotionalen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Familie stehen. Der Wunsch, die Eltern nicht zu enttäuschen, und die Angst vor sozialer Ausgrenzung sind mächtige Werkzeuge, um den Willen zu brechen.
Salzburg fehlt eine spezialisierte Anlaufstelle
Obwohl es das Gewaltschutzzentrum und die Jugendanwaltschaft gibt, die sich dem Thema annehmen, fehlt in Salzburg eine zentrale und spezialisierte Beratungsstelle für Opfer von Zwangsheirat. Betroffene müssen sich an allgemeine Einrichtungen wenden, was eine zusätzliche Hürde darstellen kann.
Eine dedizierte Anlaufstelle könnte nicht nur gezielte Beratung und rechtliche Hilfe anbieten, sondern auch präventiv arbeiten und das öffentliche Bewusstsein für das Problem schärfen. Organisationen fordern daher seit Längerem die Einrichtung einer solchen Stelle, um die Versorgungslücke in der Region zu schließen.
Zwangsheirat in Österreich
Zwangsheirat ist in Österreich eine Straftat und wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. Dennoch gibt es eine Dunkelziffer, da viele Fälle aus Angst oder Scham nicht gemeldet werden. Betroffen sind sowohl Frauen als auch Männer unterschiedlicher Herkunft.
Aufklärung als wichtigstes Werkzeug
Um die Situation zu verbessern, setzen Initiativen wie die der Jugendanwaltschaft direkt am Flughafen an. Durch gezielte Aufklärungskampagnen soll das Sicherheitspersonal geschult werden, die Anzeichen einer Zwangsheirat zu erkennen und richtig zu reagieren.
Es geht darum, diskret zu handeln und zu verstehen, dass ein ausgelöster Metalldetektor mehr sein kann als nur ein Versehen. Die Zusammenarbeit zwischen sozialen Einrichtungen und den Behörden am Flughafen ist entscheidend, um den Betroffenen eine echte Chance auf Hilfe zu geben.
Was Betroffene tun können
Neben dem Löffeltrick gibt es weitere Möglichkeiten, auf eine Notlage aufmerksam zu machen:
- Hilfsorganisationen kontaktieren: Schon vor der Reise kann man sich an das Gewaltschutzzentrum oder andere Beratungsstellen wenden.
- Vertrauenspersonen einweihen: Lehrer, Schulpsychologen oder Freunde können informiert werden, um im Notfall die Behörden zu alarmieren.
- Notiz hinterlassen: Eine unauffällige Notiz im Pass oder an einer anderen Stelle kann ein Hinweis für aufmerksames Personal sein.
Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit bleibt ein zentraler Baustein im Kampf gegen Zwangsheirat. Nur wenn das Thema enttabuisiert wird, trauen sich mehr Betroffene, das Schweigen zu brechen und Hilfe zu suchen.





