Die Salzburger Landesregierung plant ab Jänner 2026 finanzielle Einschnitte für das Pflegepersonal. Konkret sollen das 13. und 14. Monatsgehalt reduziert und der vom Bund eingeführte Pflegebonus in Höhe von 150 Euro gestrichen werden. Diese Maßnahmen stoßen auf heftige Kritik, da sie einen Sektor betreffen, der bereits unter hohem Druck steht.
Die Entscheidung, die von Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) und Landesrätin Daniela Gutschi (ÖVP) verteidigt wird, wird mit allgemeinen Sparnotwendigkeiten begründet. Kritiker argumentieren jedoch, dass gerade im Pflegebereich nicht gespart werden dürfe, da dies die Attraktivität des Berufs weiter mindere und die Versorgungssicherheit gefährde.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab Jänner 2026 sollen das 13. und 14. Monatsgehalt für Pflegekräfte in Salzburg gekürzt werden.
- Der monatliche Pflegebonus des Bundes in Höhe von 150 Euro soll ebenfalls entfallen.
- Die Landesregierung begründet die Kürzungen mit notwendigen Einsparungen im Budget.
- Die Maßnahmen betreffen vor allem Frauen, die den Großteil des Pflegepersonals ausmachen.
Details zu den geplanten Kürzungen
Die angekündigten Sparmaßnahmen im Salzburger Pflegesektor setzen sich aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen. Zum einen ist eine Reduzierung der Sonderzahlungen, also des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes, vorgesehen. Zum anderen soll der monatliche Pflegebonus von 150 Euro, der als finanzielle Anerkennung vom Bund eingeführt wurde, nicht mehr ausgezahlt werden.
Laut Regierungsangaben wurde dieser Bonus ohnehin bereits in den allgemeinen Pflegeetat des Landes integriert. Mit der Streichung entfällt diese zusätzliche Leistung für die Pflegekräfte jedoch ersatzlos. Die Begründung der zuständigen Politikerinnen lautet, dass „überall gespart werden muss“ und das Gehaltsniveau im Pflegebereich als ausreichend angesehen wird.
Ein harter Schlag für einen belasteten Berufsstand
Die Pflege ist ein körperlich und emotional anspruchsvoller Beruf. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten oft Schichtdienste, die bis zu zwölf Stunden dauern können. Insbesondere Auszubildende, wie etwa Pflegefachassistenten in der Ausbildung an den Salzburger Landeskliniken (SALK), sind bereits während ihrer Praktika mit diesen harten Arbeitsbedingungen konfrontiert.
Die geplanten Kürzungen werden als Mangel an Wertschätzung für diese systemrelevante Arbeit empfunden. Während in anderen Bundesländern die Pflegeboni weiterhin zur Auszahlung kommen, schlägt Salzburg einen anderen Weg ein. Dies könnte die Rekrutierung von Nachwuchskräften zusätzlich erschweren und die Abwanderung von qualifiziertem Personal in andere Regionen oder Berufsfelder fördern.
Zahlen zur Pflege in Österreich
- Rund 80 % des Pflegepersonals in Österreich sind weiblich.
- Der Personalmangel in der Pflege ist eine der größten Herausforderungen für das österreichische Gesundheitssystem.
- Schichtarbeit, hohe Verantwortung und psychische Belastung prägen den Arbeitsalltag.
Kritik an der politischen Prioritätensetzung
Die Entscheidung der Landesregierung, ausgerechnet im Sozial- und Pflegebereich zu sparen, sorgt für Unverständnis. Kritiker weisen darauf hin, dass in anderen Budgetbereichen offenbar keine vergleichbaren Sparmaßnahmen ergriffen werden. Als Beispiele werden Ausgaben für den Festspielbezirk, die Landespressestelle oder die Förderung von Trachtenvereinen genannt.
Besonders die Tatsache, dass mit Landeshauptfrau-Stellvertreterin Svazek und Landesrätin Gutschi zwei Frauen in der Regierung die Kürzungen vorantreiben, wird als problematisch angesehen. Der Pflegeberuf wird überwiegend von Frauen ausgeübt, die auf das Einkommen und die Anerkennung angewiesen sind. Die Maßnahme trifft somit eine Berufsgruppe, die ohnehin schon oft mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen hat.
Die Rolle des Sozialressorts
Die Übertragung des Sozialressorts an die FPÖ im Rahmen der Koalitionsvereinbarung wird von Beobachtern als Zeichen für eine geringere Priorisierung sozialer Themen durch die Regierungspartner gewertet. Die aktuellen Sparpläne scheinen diese Einschätzung zu bestätigen und werfen Fragen über die zukünftige Ausrichtung der Salzburger Sozialpolitik auf.
Ein Vergleich, der aufhorchen lässt
Die Debatte um die Pflegegehälter erhält durch einen anderen Vorgang zusätzliche Brisanz. Während bei den Pflegekräften eine Kürzung von 150 Euro pro Monat diskutiert wird, wurde kürzlich eine Stellenausschreibung in der Wirtschaftskammer bekannt, die eine Gehaltserhöhung von 60 % vorsah. Diese Diskrepanz in der finanziellen Bewertung unterschiedlicher Berufsfelder sorgt für breites Kopfschütteln.
Es entsteht der Eindruck einer Ungleichbehandlung, bei der systemrelevante, aber als „unpopulär“ empfundene Arbeit finanziell abgewertet wird, während in anderen Sektoren großzügige Gehaltssteigerungen möglich scheinen. Diese Entwicklung könnte das Vertrauen in politische Entscheidungen weiter untergraben.
„Im Pflegebereich sollen sie gut verdienen, denn sie machen eine unpopuläre, schwere Arbeit, die fast keiner machen will und für die es Anreize und Wertschätzung braucht.“
Die langfristigen Folgen für Salzburg
Die geplanten Kürzungen könnten weitreichende Konsequenzen für den Standort Salzburg haben. Ein attraktives Arbeitsumfeld in der Pflege ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung. Wenn qualifizierte Fachkräfte aufgrund schlechterer Rahmenbedingungen abwandern oder junge Menschen den Beruf erst gar nicht ergreifen, droht eine Verschärfung des ohnehin schon gravierenden Pflegenotstands.
Die Entscheidungsträger stehen in der Verantwortung, die langfristigen Auswirkungen ihrer Sparmaßnahmen zu bedenken. Die finanzielle Entlastung des Budgets auf Kosten des Pflegepersonals könnte sich als kurzsichtig erweisen und langfristig zu weitaus höheren gesellschaftlichen und finanziellen Kosten führen.





