In den Salzburger Standesämtern hat sich in den letzten Jahrzehnten ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Einst eine Männerdomäne, wird der Beruf des Standesbeamten heute überwiegend von Frauen ausgeübt. Aktuelle Zahlen zeigen, dass rund zwei Drittel der rund 200 Standesbeamten im Bundesland weiblich sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Frauenanteil bei 66 Prozent: Von den rund 200 Standesbeamten in Salzburg sind etwa 130 Frauen.
- Vielseitige Motivation: Die Gründe reichen von der Sinnhaftigkeit der Aufgabe bis zu flexiblen Arbeitsbedingungen.
- Steigende Komplexität: Die Anforderungen im Berufsalltag werden durch internationale Fälle anspruchsvoller.
- Attraktiver Arbeitgeber: Der öffentliche Dienst bietet regionale und familienfreundliche Arbeitsplätze.
Ein klares Bild bei der Ausbildung
Ein Blick auf eine kürzlich abgehaltene Ausbildungsveranstaltung im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg-Aigen bestätigt diesen Trend eindrücklich. Bei der Schulung für angehende Standesbeamtinnen und -beamte aus Salzburg, Tirol und Vorarlberg waren Frauen deutlich in der Überzahl. Viele von ihnen sind bereits in Gemeindeämtern oder Magistraten tätig und erweitern nun ihre Qualifikationen.
Dieser Wandel spiegelt eine breitere gesellschaftliche Entwicklung wider, bei der traditionelle Berufsfelder neu bewertet und besetzt werden. Die Verwaltung, einst stark männlich geprägt, wird zunehmend diverser.
Die „Buchhalter des Lebens“
Was macht den Beruf für Frauen so attraktiv? Für viele ist es die tiefere Bedeutung, die mit der Tätigkeit verbunden ist. Lea Seher aus Bregenz, eine der Teilnehmerinnen des Ausbildungskurses, fand ihre Motivation in einem Zitat, das sie nachhaltig beeindruckte.
„Ich habe ein Zitat gelesen, in dem es geheißen hat: Standesbeamte sind die Buchhalter des Lebens. Und das war denn eigentlich der Satz, der mich ein bisschen gecatcht hat“, erklärt Seher.
Sie beschreibt den Reiz der Aufgabe darin, Menschen bei den wichtigsten Stationen ihres Lebens zu begleiten. „Sei das die Geburt eines Kindes, die Eheschließung und dann natürlich das Traurige, der Tod. Und ich finde es sehr schön, dass man einfach mit den Menschen arbeiten kann und daneben trotzdem diese organisierte Arbeit hat.“
Auch Jasmin Wimmer aus Kirchberg bei Kitzbühel sieht die Entwicklung positiv. „Es war früher auch ein sehr männerdominierter Job“, sagt sie. „Und es passt einfach generell – auch in der Gemeinde –, dass ein bisschen Auflockerung kommt, dass ein frischer Wind dazukommt.“
Aufgaben eines Standesamtes
Standesbeamte sind für die Beurkundung von Personenstandsfällen zuständig. Dazu gehören nicht nur Eheschließungen, sondern auch die Registrierung von Geburten und Sterbefällen sowie die Ausstellung von Urkunden und die Bearbeitung von Namensänderungen.
Praktische Vorteile und flexible Arbeitsmodelle
Neben der emotionalen und sinnstiftenden Komponente spielen auch die Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Stefan Spöcklberger, der Landesleiter der Salzburger Standesbeamten, betont die Vorteile des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber.
„Die Gemeinden haben in den letzten Jahrzehnten sehr viele Zuständigkeiten dazubekommen und sind nahe am Bürger. Dazu brauchen die Gemeinden auch entsprechend Mitarbeiter“, so Spöcklberger. Er räumt ein, dass der öffentliche Dienst nicht immer der bestbezahlende Sektor sei, aber er biete andere Qualitäten.
Öffentlicher Dienst als Faktor
- Regionale Arbeitsplätze: Die Stellen sind direkt in den Heimatgemeinden angesiedelt, was lange Pendelwege erspart.
- Teilzeitmöglichkeiten: Viele Gemeinden bieten flexible Arbeitszeitmodelle an, die eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.
- Arbeitsplatzsicherheit: Der öffentliche Dienst gilt als stabiler und krisensicherer Arbeitgeber.
Diese Faktoren machen den Beruf insbesondere für Frauen attraktiv, die oft noch den größeren Teil der Familienarbeit leisten. Die Möglichkeit, in Teilzeit und wohnortnah zu arbeiten, ist für viele ein entscheidendes Kriterium bei der Berufswahl.
Wachsende Herausforderungen im Berufsalltag
Der Beruf des Standesbeamten ist jedoch längst nicht mehr nur auf das Trauen von Paaren beschränkt. Die Aufgaben sind in den letzten Jahren deutlich komplexer und vielfältiger geworden. Eine zentrale Herausforderung stellen Verfahren mit internationalem Bezug dar.
Immer häufiger haben es die Standesämter mit Menschen aus Nicht-EU-Ländern oder mit Geflüchteten zu tun. In diesen Fällen müssen ausländische Dokumente geprüft, deren Echtheit verifiziert und internationale Rechtsvorschriften beachtet werden. Manchmal fehlen notwendige Papiere gänzlich, was die Verfahren zusätzlich erschwert und hohe juristische Sorgfalt erfordert.
Quereinstieg als Chance
Die Vielseitigkeit des Berufs zieht auch Menschen aus anderen Branchen an. Maria Gaisreiter aus Hallein ist ein Beispiel für einen gelungenen Quereinstieg. „Ich habe im April 2024 im Standesamt angefangen, komme aus einer anderen Sparte. Das hat sich eigentlich zufällig so ergeben“, erzählt sie. Ihre Entscheidung hat sie nicht bereut: „Aber es ist total vielseitig.“
Für die Salzburger Teilnehmerinnen des Ausbildungskurses steht nun noch eine abschließende Prüfung an. Nach deren erfolgreichem Abschluss können sie offiziell als Standesbeamtinnen in ihren Heimatgemeinden tätig werden und die Bürger durch die wichtigsten Momente ihres Lebens begleiten – als moderne „Buchhalterinnen des Lebens“.





