Sexarbeit ist in Salzburg gesetzlich geregelt, doch die Realität für viele in der Branche tätige Menschen ist von Vorurteilen, sozialer Ausgrenzung und der ständigen Gefahr von Gewalt geprägt. Während die Dienstleistung nur in behördlich genehmigten Bordellen erlaubt ist, kämpfen Betroffene täglich gegen ein Stigma, das sie angreifbar macht.
Dieser Beruf, oft im Verborgenen ausgeübt, birgt Risiken, die weit über die rechtlichen Rahmenbedingungen hinausgehen. Der Internationale Tag gegen Gewalt an Sexarbeitenden am 17. Dezember rückt diese Problematik jährlich in den Fokus der Öffentlichkeit.
Die wichtigsten Fakten
- Sexuelle Dienstleistungen sind in Österreich legal, in Salzburg aber streng auf lizenzierte Bordelle beschränkt.
- Sexarbeitende sind überdurchschnittlich oft von körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt betroffen.
- Gesellschaftliche Stigmatisierung und Vorurteile erschweren den Alltag und die Sicherheit der Betroffenen.
- Opfer von Gewalt haben Anspruch auf kostenlose psychotherapeutische Hilfe über den Opferschutz.
Gesetzliche Rahmenbedingungen in Salzburg
In Österreich ist die Erbringung sexueller Dienstleistungen zwischen einvernehmlichen Erwachsenen gegen Bezahlung grundsätzlich legal. Das Bundesland Salzburg hat jedoch strenge Vorschriften erlassen, die die Ausübung dieses Gewerbes regeln.
Die Prostitution darf ausschließlich in behördlich bewilligten Bordellen stattfinden. Jegliche Form der Sexarbeit außerhalb dieser lizenzierten Etablissements, etwa in Privatwohnungen oder Hotelzimmern, ist untersagt. Verstöße gegen diese Regelung können mit hohen Verwaltungsstrafen geahndet werden.
Steuer- und Sozialversicherungspflicht
Wie in jedem anderen legalen Gewerbe unterliegt auch die Sexarbeit den allgemeinen steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen. Das bedeutet, dass Einnahmen versteuert und Beiträge zur Sozialversicherung entrichtet werden müssen. Diese Regelung soll die soziale Absicherung der in diesem Bereich tätigen Personen gewährleisten.
Zudem sind für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter regelmäßige und kurzfristige Gesundheitskontrollen gesetzlich vorgeschrieben. Diese Maßnahmen dienen dem Schutz der öffentlichen Gesundheit, stellen für die Betroffenen jedoch eine zusätzliche Belastung dar.
Die unsichtbare Gefahr: Gewalt und Stigmatisierung
Trotz der legalen Rahmenbedingungen ist der Alltag für viele Sexarbeitende von erheblichen Gefahren geprägt. Die größte Bedrohung geht nicht von den Gesetzen aus, sondern von der gesellschaftlichen Haltung gegenüber ihrem Beruf. Fachleute bezeichnen diese spezifische Form der Diskriminierung als "Sexarbeitsfeindlichkeit".
Diese Feindseligkeit äußert sich auf vielfältige Weise. Sie reicht von verbalen Anfeindungen und sozialer Isolation bis hin zu schwerer körperlicher und sexueller Gewalt. Viele Betroffene zögern, Übergriffe zur Anzeige zu bringen, aus Angst vor Stigmatisierung oder weil sie befürchten, von den Behörden nicht ernst genommen zu werden.
Herausforderungen im Alltag
Sexarbeitende sehen sich mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, die direkt aus der gesellschaftlichen Abwertung ihres Berufs resultieren:
- Moralische Verurteilung: Ihre Tätigkeit wird oft als unmoralisch angesehen, was zu sozialer Ausgrenzung führt.
- Fehlende Wertschätzung: Die Arbeit wird nicht als legitime Dienstleistung anerkannt.
- Soziale Isolation: Aus Angst vor negativen Reaktionen sprechen viele nicht offen über ihren Beruf, was zu Einsamkeit führen kann.
- Stigmatisierung: Betroffene werden oft pauschal als Opfer ohne Selbstbestimmung dargestellt.
Diese ständige Konfrontation mit Vorurteilen schafft ein Klima der Unsicherheit und macht es für Täter leichter, Gewalt auszuüben. Organisationen des Opferschutzes bieten daher spezielle Unterstützung an, darunter auch kostenlose Psychotherapie für Menschen, die in der Sexarbeit Gewalt erfahren haben.
Die Macht der Worte: Warum "Sexarbeit" der bessere Begriff ist
Die Sprache, die wir verwenden, formt unsere Wahrnehmung. Der Begriff "Prostitution" ist historisch negativ besetzt und wird heute oft mit Zwang, Menschenhandel und Gewalt assoziiert. Er trägt dazu bei, das Bild von Sexarbeitenden als passive Opfer zu verfestigen.
Der Begriff "Sexarbeit" wurde bereits in den 1970er-Jahren von Aktivistinnen und Betroffenen selbst geprägt. Er soll die Tätigkeit als eine Form der Arbeit definieren und den Fokus auf die Dienstleistung und die Autonomie der ausübenden Personen legen.
Die Verwendung des Begriffs Sexarbeiterin, Sexarbeiter oder Sexdienstleister ist ein Zeichen des Respekts. Er erkennt an, dass Menschen aus unterschiedlichsten Gründen und oft freiwillig in diesem Gewerbe tätig sind. Er hilft, stereotype Bilder aufzubrechen und eine sachlichere Diskussion über die Arbeitsbedingungen und den notwendigen Schutz der Menschen in dieser Branche zu ermöglichen.
Ein Blick in die Salzburger Szene
Die Geschichte der Sexarbeit in Salzburg ist lang und tief in der Stadt verwurzelt. Ein bekanntes Beispiel ist das "Maison de Plaisir" in der Steingasse, das als eines der ältesten Bordelle der Stadt gilt. Seit 2003 wird es von Renate Stefanitsch geführt, die sich selbst als "Glucke für ihre Mädchen" bezeichnet und eine schützende Rolle für die bei ihr arbeitenden Frauen einnimmt.
Die Steingasse selbst ist ein historischer Ort. Eine kuriose Anekdote aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt von einem amerikanischen Panzer, der im Mai 1945 bei der Befreiung Salzburgs in der engen Gasse stecken blieb. Die Kratzspuren am Haus mit der Nummer 14 sind bis heute sichtbar und wurden bewusst als eine Art Denkmal erhalten.
Diese Geschichten zeigen, dass Sexarbeit seit langer Zeit ein Teil des städtischen Lebens ist. Dennoch bleibt die Auseinandersetzung mit den realen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die diese Dienstleistungen erbringen, eine gesellschaftliche Herausforderung. Der Schutz vor Gewalt und die Entstigmatisierung ihres Berufs sind entscheidende Schritte, um ihre Sicherheit und ihre Rechte zu gewährleisten.





