In Salzburg spitzt sich der Konflikt in der Sozialwirtschaft zu. Nach monatelangen, ergebnislosen Gehaltsverhandlungen stehen die Zeichen auf Streik. Ab dieser Woche sind Aktionen geplant, um den Forderungen der Beschäftigten Nachdruck zu verleihen.
Österreichweit sind rund 130.000 Menschen in privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegeberufen von den stockenden Verhandlungen betroffen. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von vier Prozent, die Arbeitgeberseite bietet deutlich weniger an. Diese Differenz von mehr als zwei Prozentpunkten hat nun zur Ankündigung von Arbeitskampfmaßnahmen geführt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab Dienstag beginnen in Salzburg die ersten Warnstreiks im Sozial- und Gesundheitsbereich.
- Die Lebenshilfe Salzburg beteiligt sich ab Donnerstag mit bis zu 200 Mitarbeitern an den Aktionen.
- Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von 4 Prozent, um einen Reallohnverlust zu verhindern.
- Die nächste Verhandlungsrunde ist für Ende der kommenden Woche angesetzt.
Verhandlungen festgefahren
Die Fronten zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern sind verhärtet. Die Gewerkschaft argumentiert, dass eine Erhöhung unter der Inflationsrate von derzeit 3,2 Prozent einen spürbaren Kaufkraftverlust für die Angestellten bedeuten würde. Die geforderten vier Prozent sollen nicht nur die Teuerung ausgleichen, sondern auch die Leistungen der Mitarbeiter anerkennen.
Christoph Eschenbacher, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Salzburg, äußerte sich besorgt über das bisherige Angebot der Arbeitgeber. Er befürchtet einen massiven Einschnitt für die Belegschaft.
„Wenn die Lohnerhöhungen so sind, wie uns die Arbeitgeber angeboten haben, dann wird es einfach ein massiver Reallohnverlust sein“, erklärte Eschenbacher.
Um die Mitarbeiter über die aktuelle Situation zu informieren und den Druck auf die Verhandlungspartner zu erhöhen, sind nun konkrete Schritte geplant.
Lebenshilfe beteiligt sich an Aktionen
Während die ersten Warnstreiks im Bundesland bereits am Dienstag beginnen, wird sich die Lebenshilfe Salzburg ab Donnerstag anschließen. An insgesamt 15 Standorten sind Betriebsversammlungen und weitere Aktionen geplant, an denen sich bis zu 200 Mitarbeiter beteiligen sollen.
„Wir werden jetzt in der ersten Runde Warnstreiks, Betriebsversammlungen durchführen, Aktionen setzen, Mitarbeiter informieren“, kündigte Eschenbacher an. Ziel sei es, ein klares Signal zu senden, ohne die Betreuung der Klienten zu gefährden.
Hintergrund: Die Sozialwirtschaft
Die private Sozial- und Gesundheitswirtschaft umfasst eine Vielzahl von Einrichtungen, darunter Behindertenhilfe, mobile Pflegedienste, Kinder- und Jugendbetreuung sowie Beratungsstellen. Die Mitarbeiter leisten einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, arbeiten aber oft unter herausfordernden Bedingungen und bei vergleichsweise geringer Bezahlung.
Besonders Frauen von niedrigem Lohn betroffen
Die Struktur der Beschäftigung in der Branche verschärft die Problematik. Ein Großteil der Angestellten arbeitet in Teilzeit, was sich direkt auf das verfügbare Einkommen auswirkt.
Orhan Dönmez, der Salzburger Sozialsprecher der Gewerkschaft, hebt hervor, wer von niedrigen Lohnerhöhungen am stärksten betroffen ist.
Zwei Drittel in Teilzeit
Bis zu zwei Drittel der Beschäftigten in der österreichischen Sozialwirtschaft sind teilzeitangestellt. Der überwiegende Teil davon sind Frauen. Für sie ist eine faire Lohnanpassung von existenzieller Bedeutung.
„Die Kolleginnen und Kollegen in unserer Branche sind bis zu zwei Drittel Teilzeitbeschäftigte. Hauptsächlich Frauen wird es betreffen. Und da ist jeder Euro, jeder Cent wichtig“, betonte Dönmez. Eine Lohnerhöhung, die nicht einmal die Inflation ausgleicht, würde diese Gruppe besonders hart treffen.
Hoffnung auf die nächste Runde
Trotz der angekündigten Streiks ist die Tür für eine Einigung noch nicht geschlossen. Beide Seiten werden sich voraussichtlich Ende der kommenden Woche erneut an den Verhandlungstisch setzen. Die nun geplanten Aktionen sollen den Forderungen der Arbeitnehmer vor dieser entscheidenden Runde mehr Gewicht verleihen.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Arbeitgeber ihr Angebot nachbessern und ein Kompromiss gefunden werden kann, der einen flächendeckenden Streik im Salzburger Sozialbereich noch abwendet. Die Beschäftigten zeigen sich jedenfalls entschlossen, für eine faire Entlohnung zu kämpfen.





